India
Malabar Coast
Dieser Kaffee ist die gezielte Rekonstruktion eines Missgeschicks aus der Schifffahrt. Als Dampfschiffe die Reise nach Europa verkürzten, beschwerten sich die Käufer, dass der Kaffee plötzlich nicht mehr so schmeckte wie gewohnt.
Ganz ohne Säure – schwer, muffig-erdig und nussig, mit Tabak, Getreide und einem dichten, sirupartigen Körper. Ein Kaffee, der wirklich mit nichts anderem vergleichbar ist.
Grown at 900–1.500 m above sea level.
Was ihn besonders macht
Monsooned Malabar bezeichnet weniger einen Ort als vielmehr ein Verfahren. Grüner Rohkaffee wird in zu den Seiten offenen Lagerhallen an Indiens Südwestküste ausgebreitet und wochenlang gezielt den feuchten Monsunwinden ausgesetzt. Dabei quellen die Bohnen auf, bleichen aus und verlieren nahezu ihre gesamte Säure.
Im Vergleich mit Nyeri
Die zwei extremen Pole der Säure im Kaffee. Kenia kombiniert Anbauhöhe, Genetik und Fermentation zum spritzigsten Geschmacksprofil der Welt; beim Monsooned Malabar nimmt man einen hervorragenden Hochlandkaffee und entzieht ihm gezielt jegliche Säure. Beides geschieht mit voller Absicht. Doch nur eines von beidem liegt im Trend.
Wie der Ort den Geschmack prägt
Processing: Monsooning – getrockneter Natural-Kaffee, der wochenlang feuchten Monsunwinden ausgesetzt wird
Hier entsteht der gesamte unverwechselbare Charakter. Die Bohnen nehmen Feuchtigkeit auf, quellen fast auf das Doppelte ihrer Größe an, verlieren ihre grüne Farbe und nahezu sämtliche Säure. Was bleibt, sind viel Körper, muffig-holzige Noten und Nuss. Kein anderer Verarbeitungsschritt verändert eine Kaffeebohne derart radikal.
Rain & humidity: Der Südwestmonsun, der ab Juni zuverlässig eintrifft
Das Verfahren ist nach ihm benannt und ohne ihn undenkbar. Dies ist eines der seltenen Anbaugebiete, in denen ein Wettersystem kein reines Anbauklima ist, sondern direkt als Werkzeug der Aufbereitung dient.
Altitude: 900–1.500 m in den Westghats
Eine beachtliche Anbauhöhe, die normalerweise für eine klare Säure sorgen würde – doch das Monsooning löscht sie komplett aus. Ein Beweis dafür, dass die Aufbereitung das Terroir stärker überlagern kann als jede andere Variable.
Shade: Anbau unter dichtem Schatten, häufig in Mischkultur mit Pfeffer, Kardamom und Vanille
Indischer Kaffee wächst oft mitten in Würzgarten-Kulturen. Die warmen Gewürznoten in der Tasse sind daher zumindest teilweise eine direkte Folge der Pflanzen, die neben ihm gedeihen.
Variety: Arabica-Selektionen wie S795, bei manchen Lots auch Robusta
S795 ist eine in Indien gezüchtete, rostresistente Varietät mit viel Körper – ideal für ein Verfahren, das Struktur mehr belohnt als feine Nuancen, da diese das Monsooning ohnehin nicht überstehen würden.
Die Rekonstruktion der Seereise
Im Zeitalter der Segelschiffe verbrachte indischer Kaffee Monate in den feuchten Frachträumen der Schiffe, die das Kap umrundeten. Auf dem Weg nach Europa nahm er kontinuierlich Feuchtigkeit auf und kam aufgequollen, blass und weich an. Die Europäer gewöhnten sich an genau diesen Charakter – so hatte indischer Kaffee für sie schlicht zu schmecken. Als der Suezkanal und die Dampfschifffahrt die Reisezeit auf wenige Wochen verkürzten, traf der Kaffee frisch und spritzig ein – und der Markt beklagte das Fehlen des vertrauten Geschmacks. Die indischen Erzeuger reagierten, indem sie diese Bedingungen an Land nachstellten: Zum Monsun hin offene Lagerhallen, in denen die Bohnen über Wochen hinweg regelmäßig gewendet werden. So wurde aus einem Mangel eine geschützte Spezialität.
Zubereitung
Einen sauren Geschmack zu erzeugen, ist hier praktisch unmöglich. Perfekt für Espresso, Herdkanne und alle Methoden, die einen feingliedrigen Kaffee überfordern würden. Klassisch in dunklen Blends und im südindischen Filterkaffee mit Zichorie. Wenn du Säure im Kaffee nicht magst, ist das genau dein Kaffee.
Trinkst du gerade einen davon?
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